Der biblische Ruhetag ist ein Geschenk aus dem Paradies. Gott segnete den siebenten Tag und stellte ihn besonders. Dieser Sabbatsegen ist ausdrücklich verheißen. Doch kirchengeschichtlich wurde der Tag verschoben. Können wir zurück zum Original?

Auf einen Blick …

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Braucht unsere Gesellschaft einen festen gemeinsamen Feiertag?

Das Geschenk aus dem Paradies

In unserer Wirtschafts- und Leistungsgesellschaft steht meist der Profit an erster Stelle. Die Entschleunigung des Alltags und die bewusste Gestaltung des Lebens aufgrund bestimmter Werte, gewinnt neue Bedeutung. Durch den Sabbat besinnen wir uns zurück auf den Ursprung und ist verankert in den Zehn Geboten.
  • Gen 1,31; 2,1-3
    Im Schöpfungsbericht ist uns überliefert, dass Gott am siebenten Tag ruhte. Er segnete und heiligte (=aussondern für Gott) diesen Tag. Dies geschah vor dem Sündenfall und bevor es das jüdische Volk gab – ganz am Anfang. Den ersten neuen Tag, den das erste Menschenpaar erlebte, war ein Tag der Ruhe und Begegnung mit Gott.
  • Ex 20,8-11
    Die 10 Gebote sind auch für den Christen des Neuen Testaments verbindlich (Röm 3,20.31; 7,12; 1.Joh 2,3-4Jak 2,10).
    Im Sabbatgebot wird der Ruhetag schriftlich festgelegt. Der Sabbat soll Gedenktag der Schöpfung und des Schöpfers sein.
    Durch das Feiern des Sabbats bekennen wir uns zu dem allmächtigen Schöpfer-Gott.Das Sabbatgebot gebietet die Ruhe zum Wohl des Menschen. Damit erhält der Sabbat in unserer modernen Gesellschaft neue Aktualität, schafft er doch eine Oase Zeit –  für sich selbst, für seine Mitmenschen und für Gott.

Wie sieht für Dich ein richtig erholsamer Tag aus?

Welcher Wochentag ist
der „7. Tag“?

Wenn Gott ausgerechnet den siebenten Tag segnete, dann stellt sich natürlich die Frage, auf welchem der Wochentage der besondere Segen Gottes liegt.

Nach Lk 23,54-56; 24,1-6 gingen die Frauen am 1. Tag der Woche zum Grab Jesu und fanden es leer. Dieser Tag wird als Auferstehungstag von der Christenheit am Sonntag gefeiert (vgl. Ostersonntag). Folglich ist der 7. Tag der Samstag.

Die Juden nummerierten die Wochentage einfach  und nannten nur den 6. Tag  „Rüsttag” und den 7. Tag „Sabbat”. Auch heute noch feiern die  Juden, die ja besonders genau bezüglich des Sabbats sind, ihren Sabbat am Samstag.

Unser „Mittwoch“ ist ebenfalls nur in der Mitte der Woche, wenn der 7. Tag der Samstag ist. Sabbat = 7. Tag = Samstag.

Wird in der Bibel nur vom Samstag als „Ruhetag“ gesprochen?

Wann beginnt und endet der biblische Sabbat?

Für uns ist der Wechsel von einem Tag auf den anderen um Mitternacht. In der hebräischen Kultur ist dies natürlicher fest gelegt und funktioniert in den mittleren Breiten sogar ohne Uhr.

Nach biblischer Zählweise beginnt ein Tag bei Sonnenuntergang und endet wieder bei Sonnenuntergang (vgl. Lev 23,32; Mk 1,21.32). Diese Tradition hat sich im jüdischen Volk bis in unsere Tage erhalten.

Der Sabbat im Alten Testament

Für das Volk Gottes im Alten Testament hatte der Sabbat eine ganz besondere Bedeutung. Die Bibel kennt keinen Regelkatalog für den Sabbat. Dies schuf erst später die jüdische Religion. Vielmehr geht es darum, die Idee Gottes für den Ruhetag herauszufinden und die Prinzipien zu entdecken.

Welche Prinzipien für die Gestaltung des Sabbat entdeckst Du?

Wie feierte Jesus den Sabbat?

Jesus setzte zwei Feiern ein, die nach seinem Tod begangen werden sollten: das Abendmahl und die Taufe. Er bestimmte jedoch nicht seinen Auferstehungstag zum neuen Feiertag, wiewohl er seine Auferstehung voraussah.  (Lk 9,22). Jesus feierte konsequent und regelmäßig des Sabbat am 7. Tag.
  • Jesus ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat in die Synagoge (Gottesdienst). | Lk 4,16
  • Für Jesus ist der Sabbat in erster Linie für den Menschen selbst da. | Mk 2,27
  • Jesus bezeichnete sich als der Herr des Sabbats. | Mk 2,28
  • Jesus hebt das Gesetz nicht auf. Er warnt sogar davor auch nur einen Buchstaben wegzulassen. | Mt 5,17; Lk 16,17
  • Er kritisierte heftig die menschlichen Entstellung des Sabbats zu seiner Zeit (im Judentum  39 verbotene Tätigkeiten). | Z.B. Mt 12,9-14
  • Er gibt ein Beispiel des Tuns guter Werke. | Mt 12,1-12
  • Jesus geht davon aus, dass auch nach seinem Tod seine Nachfolger den Sabbat halten würden und der Sabbat für sie immer noch von hoher Bedeutung ist. | Mt 24,20.  (Die Zerstörung Jerusalems erfolgte erst 70 n.Chr.).

Wenn Christen dem Beispiel Jesu folgen wollen, was bedeutet das für die Feier des Ruhetages?

Der Apostel Paulus feiert den Sabbat

Heute wird die Feier des Sonntags mit der Auferstehung Jesu begründet. Der Heidenapostel Paulus wirft jedoch den Sabbat nicht über Bord, sondern feiert ihn weiterhin.
  • Paulus lehnte nicht das Gesetz ab, sondern wehrte sich gegen die Idee, das Befolgen des Gesetzes könnte den Menschen erlösen. Für Paulus ist das Gesetz heilig und gut. | Röm 3,20.31; 7,12
  • Paulus feierte selbst den Sabbat. | Apg 13,14.42-44; 16,13; 17,1.2; 18,1-11
  • Er arbeitete sechs Tage und predigte am Sabbat (auch den Heiden). | Apg 18,3.4
  • Wenn der Hebräerbrief von Paulus stammen sollte, so stellt Paulus dort eine Verbindung zwischen der Sabbatruhe und der zukünftigen Ruhe bei Gott her. | Hebr 4,1-11 (besonders V. 9, Ruhe: griech. „sabbatismós”, „Sabbatruhe”).

Der Sabbat ist ein Zeichen

Mit der Feier der Sabbats bringen wir unsere Treue und unsere Glaubenshaltung zum Ausdruck.
  • Erinnerung: Gott ist Schöpfer.
  • Ausschau: Gott wird die Welt wiederherstellen.
  • Mahnung: Zur Ruhe und zur Verantwortung der Schöpfung gegenüber.
  • Zeichen: Ausdruck der Treue zu Gott.

Was drückst Du mit der Feier des Sabbats heute aus?

Sabbat oder Sonntag?

Innerhalb der Bibel finden wir keine Abschaffung des Sabbats als Ruhetag zugunsten des Sonntags. Erst kirchengeschichtliche und politische Entwicklungen führten zu einer Verlegung des Ruhetages. Jesus warnt vor der Übertretung göttlicher Gebote zugunsten menschlicher Überlieferung (Mt 15,3.8.9). 

Schon der Prophet Daniel sagte den Versuch einer Veränderung von „Festzeiten und Gesetz” durch antigöttliche Mächte voraus (Dan 7,25). Damit entscheidet sich am Sabbatgebot, welcher Autorität ich folgen will: Gott oder menschlicher Überlieferung?

Der Apostel Petrus traf eine klare Entscheidung: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen” (Apg 5,29).

  • Was würde sich in unserer Gesellschaft verändern, wenn alle den Sabbat am Samstag feiern würden?
  • Welche Konsequenzen würde die Feier des Sabbats für Dich bedeuten?
  • Ist es so wichtig, an welchem Tag der Sabbat gefeiert wird? Hauptsache irgendein 7. Tag?
  • Welche Bedeutung hat die Feier des Sabbats für das ökologische Bewusstsein?

Worum es wirklich geht

Für manche ist die Frage, ob Samstag oder Sonntag nur „Erbsenzählerei“. Ist es nicht völlig egal welcher Tag gefeiert wird? Doch die Verschiebung des Feiertages von Samstag auf den Sonntag bringt etwas viel Tieferes zum Vorschein.

Welche Grundfragen des Glaubens entscheiden sich an der Frage des Sabbat?

Der Prophet Daniel sagte voraus, dass eine antigöttliche Macht „Festzeiten und Gesetz” ändern werde (Dan 7,25).

Wem will ich folgen? Menschen und Mächten, die gegen Gott arbeiten? Will ich den Weg des geringsten Widerstandes gehen? Hier am Sabbat beweist sich, wie konsequent und tief mein Glaube ist. Im Gehorsam wird Glaube konkret! Der Sabbat ist ein Zeichen der Treue (vgl. Offb 14,7.9.12).

Mehr Lebensqualität und Segen

Oft entarten Diskussionen über den Sabbat in Rechthaberei und Streiterei. Dabei geht es um den Segen Gottes, der auf dem Sabbat liegt. Die Feier des Sabbats ist Ausdruck meiner Anbetung Gottes. Der Sabbat ist zutiefst christlich und geht auf die Schöpfung zurück.

Wenn Du den Sabbat bewusst lebst, wirst Du feststellen, dass Dein Leben gewinnt, denn Gott segnete diesen Tag. Gott nimmt uns durch seine Gebote nichts weg! Vielmehr steigert das Befolgen seiner Lebensregeln unsere Lebensqualität. 

Jes 58,13-14Der Prophet Jesaja rät den Sabbat „Geehrt” und „Lust” zu nennen.

Wie willst Du den Sabbat im Sinne Gottes feiern?

Praktische Tipps zur Sabbatgestaltung

Wie kannst Du den Sabbat im neutestamentlichen Sinne positiv gestalten? Hier einige Anregungen zur Sabbatgestaltung.

Welche Anregungen findest Du besonders hilfreich?

Auf den Anfang kommt es an!

Stimmen sie sich auf den Sabbat ein. Der Sabbat beginnt Freitag bei Sonnenuntergang. Kommen sie mit ihrer Familie zusammen. Singen sie christliche Lieder, lesen sie in der Bibel und beten sie gemeinsam als Abschluss der Arbeitswoche. Kerzen geben diesem Abend ein feierliches Gewand.

Vorbereitung ist gefragt!

Versuchen sie ihre Arbeiten so einzuteilen, dass sie getrost am Freitag bei Sonnenuntergang alle Arbeit abschließen können. Machen sie es sich zur Gewohnheit, bei Sonnenuntergang alle Arbeit der Woche stehen und liegen zu lassen – ein heiliger Tag beginnt!

Medienfreier Tag

Unsere Gesellschaft wird überflutet mit Informationen. Oft nimmt uns der Fernseher wertvolle Zeit. Sabbat ist Ruhetag. Lassen sie einmal die „Kiste” aus.

Auch Hausfrauen brauchen Ruhe

Bereiten sie das Essen schon am Freitag vor, sodass sie samstags mal ausspannen können. Aufläufe und einfache Gerichte lassen sich schnell warm machen. Auch Abwasch kann warten, oder die Männer sind mal dran.

Zeit für Gott

Suchen sie an diesem Tag die Gemeinschaft mit anderen Christen und reden sie mal über etwas anderes als den Alltag. Der regelmäßige Gottesdienstbesuch ist lebenswichtig für ihren Glauben.

Zeit für die Familie

Sabbat ist Familientag. Nützen sie diesen Tag, um Zeit für den Ehepartner und die Kinder zu haben.

Zeit für die Natur

Uns modernen Menschen fehlt der enge Bezug zur Natur. Der Sabbat ist der Gedenktag an die Schöpfung. Suchen sie die Nähe der Natur.

Der Alltag hat Pause

Regenerieren sie sich. Versuchen sie abzuschalten und den Alltag mit seinen Belastungen und Sorgen abzustreifen. Schalten sie um!

Ein Tag für SIE !

Dieser Tag ist dazu gemacht, dass SIE sich erholen. Sie sollen Auftanken! Sie brauchen diesen Tag. Gönnen sie sich diesen heiligen Ruhetag !

Den eigenen Stil finden

Sicherlich werden sie ihren eigenen Stil finden, Sabbat zu feiern. Richtlinie muss jedoch immer Gottes Wort bleiben. Faule Kompromisse sind immer unbefriedigend. Es lohnt sich, Gott treu zu sein ! 

VERTIEFUNG

Kirchengeschichte: Vom Sabbat zum Sonntag

Die spannende Frage ist natürlich, wie kam es denn nun zu dieser Verschiebung vom Samstag auf den Sonntag?

Erste Belege für die Sonntagsfeier
Die Sonntagsfeier ist schon bei Justin dem Märtyrer (150 n.Chr.) belegt (in der ersten Apologie 67,3-5). Gründe für die Sonntagsfeier waren wahrscheinlich die Feier als Auferstehungstag und die Abgrenzung zum Judentum (Antisemitismus).

Die Doppelfeier
Über die Feier des Sabbats haben wir jedoch im 4. Jhd. ausführliche historische Zeugnisse. Wir dürfen daher annehmen, dass die Christenheit auch im 2. und 3. Jhd. den Sabbat feierte, wobei sich sehr bald eine Doppelfeier einstellte.

Apostolische Konstitutionen (4. Jhd.):
„Herr Allbeherrscher, du hast den Kosmos geschaffen durch Christus und hast zum Gedächtnis dessen, dass du an ihm mit deinen Werken aufgehört hast, den Sabbat zur Ausübung deiner Gesetze eingesetzt … Du hast ihnen (unseren Vätern) das Gesetz der 10 Gebote gegeben, es verkündend mit deiner Stimme und schreibend mit deiner Hand; du hast ihnen verordnet, den Sabbat zu halten … Vornehmlich aber am Sabbattag und am Herrntag, am Tag der Auferstehung des Herrn, trefft euch mit noch mehr Eifer und spendet Gott Lob, der das All durch Jesus gemacht hat, uns ihn geschickt, in sein Leiden eingewilligt und ihn von den Toten auferweckt hat … Den Sabbat freilich und den Herrntag verbringt in Festfreude, weil der eine das Gedächtnis der Schöpfung, der andere dasjenige der Auferstehung ist” (VII, 36,1.4; II, 59,3; VII, 23,3). 

Weitere Belege der Doppelfeier finden sich für die Ebioniten, die äthiopische Kirche, Mönche und die iro-schottische Kirche.

Der Sonntag als staatlicher Feiertag
Kaiser Konstantin erließ am 7. März 321 das Gesetz, das den „ehrwürdigen Tag der Sonne” (Sonntag) als staatlichen Feiertag festschrieb:

„Alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste, sollen am ehrwürdigen Tag der Sonne ruhen. Doch können sich die Landleute mit aller Freiheit auf den Ackerbau verlegen. Denn es trägt sich oft zu, dass an keinem anderen Tage Äcker und Weinberge so bequem bestellt werden können, wie an diesem. Es soll aber dieser Vorteil, den die himmlische Vorsehung selber darbietet, nicht bei Gelegenheit einer so kurzen Zeit verlorengehen. Gegeben am Tage des siebenten Märzes, Krispus und Konstantin zum zweiten Male Konsuln.”

Ziel dieses Erlasses war es, den Gegensatz Heidentum – Christentum  im Römischen Reich zu überbrücken. Der dem Mithraskult geweihte Sonntag wurde zum christlichen Feiertag bestimmt.

Die Kirche legt sich fest
Die Synode von Laodicea (zwischen 343 – 381) gebietet die Arbeit am Sabbat und verlangt Ruhe für den Sonntag. Der Sabbat wurde also schließlich auf den Sonntag verlegt, gemäß dem Wort des Eusebius von Cäsarea (um 300):

„Alles was am Sabbat getan werden sollte, haben wir auf den Sonntag verlegt” (Komm. zu Ps. 92).

Veränderung aufgrund der kirchlichen Autorität
Auf dem Konzil von Trient (1562) äußerte sich der Bischof von Reggio folgendermaßen:

„Der Sabbat, der berühmteste Tag im Gesetz, ging in den Herrentag über. Dieses und ähnliches hat nicht auf die Predigt Christi hin aufgehört …, sondern auf die Autorität der Kirche hin sind sie verdrängt worden.”

Die Reformation und der Sabbat
Luther strebte an, die Kirche von der menschlichen Tradition zu befreien und zur Bibel zurückzuführen („Allein die Schrift”). Diesen Weg ging er aber nicht konsequent, sodass ihm Dr. Eck auf der Leipziger Disputation 1519 vorhalten konnte:

„Der Sabbat ist mannigfaltig geboten worden in der Schrift. Nun ist weder im Evangelium, noch bei Paulus, noch in der ganzen Bibel, dass der Sabbat aufgehoben sei und der Sonntag eingesetzt; darum ist es geschehen von Einsetzung der apostolischen Kirche ohne Schrift … Tu es nicht und fall von der Kirche an die bloße Schrift, so musst du den Sabbat halten mit den Juden, der von Anbeginn der Welt ist gehalten worden.” (Enchiridion, S. 79)

Luther verfasste sogar die Schrift „Wider die Sabbater” (1538). Melanchton jedoch, ein Mitarbeiter Luthers schreibt in der Confessio Augustana (Art. 28):

„So zeucht man auch das an, dass der Sabbat in den Sonntag verwandelt worden wider die 10 Gebote, dafür sie es achten, und wird kein Exempel so hoch getrieben und angezogen, als die Verwandlung des Sabbats, und wollen damit erhalten, dass die Gewalt der Kirche groß sei, dieweil sie mit den 10 Geboten dispensiert und etwas daran verändert hat.” 

Dennoch hielt Melanchton den Sabbat von der Schrift her als abgetan und dass kein bestimmter Tag mehr notwendig sei.  Nur der Ordnung willen halte man am Sonntag fest (Art. 28).

Die Reformation geht weiter
Verschiedene Reformbewegungen hatten bereits erkannt, dass die lutherische Reformation inkonsequent war (z.B. bei der Erwachsenentaufe). Die Reformation bedurfte einer beständigen Reformation. So finden sich unter den „Täufern” in Schlesien, unter den „Waldensern” oder im 18. Jhd. unter den „Pietisten” gläubige Menschen (z.B. Graf Zinzendorf), die den Sabbat als Ruhetag feierten. Im 17. Jhd. finden wir in England eine Fülle von Sabbatzeugen. 1661 wurde sogar ein gewisser John James wegen der Sabbatwahrheit gehängt. Stephen Mumford brachte 1664 die Lehre vom biblischen Sabbat nach Amerika, wo 1671 die erste Gemeinde der Siebenten-Tags-Baptisten gegründet wurde.

Der Sabbat und die Adventbewegung
Joseph Bates bringt die Erkenntnis des biblischen Sabbats aufgrund seiner Begegnung mit den Siebenten-Tags-Baptisten in eine junge Gruppe von „Adventisten“ ein, die aus der Erweckungsbewegung William Millers in Nord Amerika hervorgegangen war.
1863 gründete sich die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die heute neben einer Vielzahl kleinerer Gemeinschaften die Hauptvertreterin der Sabbatwahrheit in der christlichen Welt ist.

Die Siebenten-Tags-Adventisten halten das Sabbatgebot jedoch nicht als Bedingung zur Erlösung hoch, sondern weil sie durch Christus erlöst sind und Gottes ursprünglichem unverfälschtem Willen treu sein wollen. Sie folgen damit der reformatorischen Tradition.

Gibt es Bibelstellen gegen den Sabbat?

Es ist offensichtlich, dass die Mehrheit der Christen den Sonntag feiert. Hierfür werden verschiedene Bibeltexte angeführt.

Die Stellungnahmen zu den Texten sind gekürzt aus H. Heinz, Dogmatik, 1978, S.139 entnommen.

Vers 17 zeigt klar, dass es sich nicht um das „Sittengesetz” (10 Gebote) handelt, sondern um das „Zeremonialgesetz” (Opfer, Feste, Heiligtum). Der Ausdruck „Schatten” wird immer nur vom Zeremoniellen gebraucht (Hebr. 8,5; 10,1). Der Wochensabbat weist nicht vor auf das Kreuz Christi, sondern zurück auf die Schöpfung. Es sind hier die … Feiertage des jüdischen Festkalenders gemeint („Feste, Neumonde, Sabbate”).

[Vgl. dazu auch Jes 1,13; Hos 2,13; Hes 45,17]

Der Zusammenhang zeigt, dass der Apostel hier den ganzen zeremoniellen Festkreis meint, ähnlich, wie in Kol. 2,16. Der Wochensabbat kann nicht gemeint sein, denn den haben die Apostel ja selbst beobachtet, wie wir sahen. Außerdem spricht der Galaterbrief hier von der Rechtfertigung des Menschen. Er beklagt, dass die Galater durch eigene Leistungen die Seligkeit erringen wollen (Gal. 5,4). Ein Teil dieser Leistungen war das Halten der Feiertage. Aber selbst wenn der Apostel hier den Sabbat gemeint hätte, könnte man nur einwenden, er habe sich gegen eine Rechtfertigung durch Sabbathalten verwahrt und nicht den Sabbat aufgehoben. Tatsächlich halten wir ja den Sabbat nicht, um uns vor Gott zu rechtfertigen, sondern weil wir gerechtfertigt sind. HOLZNER (Paulus, S. 284) meint, dass der Galaterbrief 54 n.Chr. geschrieben worden sei, und das sei ein Sabbatjahr gewesen. So wäre es verständlich, dass sich die Galater dem jüdischen Festkreis zuwandten.

Hier handelt Paulus nicht vom AT. Die Judaisten pflegte er schärfer anzugreifen. Er hat asketische Bräuche im Auge (V. 2; V. 21). Diese Asketen, die den Fleischgenuss ablehnten, hielten auch bestimmte Fasttage. Dies ist bis auf Hieronymus die eindeutige Meinung der Kirchenväter. Es ist zu beachten, dass der Apostel nicht die leiseste Andeutung macht, es handle sich um Tage des AT (Das Wort „Sabbate” fehlt hier!). Die Tage werden hingegen mit den Abstinenzen in Verbindung gebracht (V. 6).

Ist die Feier des Sonntags biblisch zu begründen?

Finden wir im Neuen Testament schon Hinweise, dass die ersten Christen den Sonntag feierten. Schauen wir uns hier einige Texte genauer an.

(Nach H. Heinz, S. 145f)

Dass Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist, wird wohl von niemandem bezweifelt, der ernst genommen werden will. Dabei ist aber festzustellen, das die Apostel an keiner Stelle andeuten, dass dies nur das geringste am 4. Gebot ändere. Sie geben weiterhin nach der Auferstehung dem 7. Tag den Namen „Sabbat” (Ruhe), während der Sonntag für sie immer noch ein gewöhnlicher Tag ist, der erste Tag der Woche. Jesus selbst hat im Tode noch den Sabbat beobachtet und ist am ersten Tag der Woche zu neuem Wirken auferstanden. Er hat nirgends  nur die geringste Andeutung gemacht, dass nun der Sonntag die Rolle des Sabbats übernommen habe. Aber, so entgegnet man, entgeht uns damit nicht die Feier der Auferstehung? Nein! Jesus selbst hat die Feier seines Todes an das Abendmahl (1.Kor 11,26), die der Auferstehung aber an die Taufe gebunden (Röm. 6,4; Kol. 2,12). Mit demselben Recht könnte man auch den Freitag, den Tag seiner Kreuzigung, oder den Donnerstag, den Tag seiner Himmelfahrt, feiern.

Paulus hat mit den Christen von Troas das Abendmahl am 1. Tag der Woche gefeiert. Dies stimmt, aber heißt das, dass jetzt der Sabbat als Ruhetag aufgehört habe und der Sonntag schon an seine Stelle getreten sei? Folgendes ist zu überlegen:

1. Hat Lukas die jüdische Rechnungsweise beibehalten, wie viele aus Apg. 27,27.33 schließen, dann fand die Versammlung vom Zeitpunkt nach Sabbatschluss bis Mitternacht (V. 7), ja bis zum Morgen (V. 11) statt.

2. Diese ungewöhnliche Zeit erklärt sich daraus, dass Paulus eine Abschiedsversammlung hielt (V. 7.11). Dies ist auch der Grund, warum diese Versammlung erwähnt wird.

3. Das Abendmahl wurde von der ersten Gemeinde ohne Unterscheidung eines Tages gehalten (Apg. 2,46).

4. Die Erwähnung des ersten Tages ist rein chronologischer Natur, denn das ganze Kapitel ist ein Reisebericht mit vielen Zeitangaben (V. 2.6.7.15.16; 21,4; 21,7; 21,8; 21,10).

Bei näherem Zusehen spricht dieser Text eher gegen den Sonntag als für ihn. Denn es handelt sich hier nicht um eine Versammlung, sondern „zu Hause” (par’heautô) sollen sie etwas für die Bedürftigen Palästinas (2. Kor. 8,14; Apg. 11,29) zur Seite legen. So sollte jeder nach der sabbatlichen Ruhe am Anfang einer Woche noch vor allen Geschäften der bedürftigen Brüder gedenken.

Argumente für die Sonntagsfeier?

Neben Bibeltexten gibt es natürlich auch gute Argumente, warum es nicht so wichtig ist, welcher Tag gefeiert werden soll. Aber wie stichhaltig sind sie bei genauer Betrachtung?

Welche Argumente für die Sonntagsfeier kennst Du?

„Kommt es Gott wirklich so darauf an, dass wir den Samstag als Ruhetag feiern? Könnten wir nicht auch einen anderen Ruhetag feiern?”

Gott segnete bei der Schöpfung den 7. Tag, den Samstag. Wer einen anderen Tag feiert, vorenthält sich selbst diesen Segen. Wer einen anderen Tag eigenständig feiert und sich damit einer menschlichen Veränderung des göttlichen Gebots anschließt, stellt sich selbst über den Gesetzgeber Gott und macht sich damit selbst zum Gott (vgl. Sündenfall). Gott nimmt die Einhaltung seiner Gebote sehr ernst. An ihnen zeigt sich, wie echt unsere Treue zu Gott ist. Dieser göttliche Ernst wird uns besonders deutlich, wenn wir uns bewusst machen, dass im AT auf die Missachtung des Sabbats sogar die Todesstrafe stand [Gründe: Nationales Bundeszeichen, offene Rebellion gegen Gott] (2.Mose 31,12-17).

„Der Sabbat gilt nur für die Juden !”

Der Sabbat ist bei der Schöpfung eingesetzt worden, noch ehe es Juden gab. Er hat daher universalen Charakter.

„Als Christen sind wir nicht mehr an die Befolgung alttestamentarischer Gesetze gebunden.”

Für den Christen gilt nur das vom Gesetz nicht mehr, was in Christus seinen Hinweischarakter erfüllt hat oder nationalen Charakter trug. Der Sabbat ist deshalb für den Christen auch heute noch verbindlich, ebenso wie die restlichen ethischen Forderungen der 10 Gebote. Christus und Paulus betonen, dass sie das Gesetz keinesfalls aufheben wollen (Mt 5,17-20; Röm 3,31). 

Zu weiteren Themen

Die Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten

20 Der Sabbat

Nach sechs Schöpfungstagen ruhte Gott, auf unser Wohl bedacht, am siebenten Tag und setzte den Sabbat für alle Menschen zum Gedenken an die Schöpfung ein. Das vierte Gebot in Gottes unwandelbarem Gesetz gebietet die Heiligung des siebenten Tages der Woche als Tag der Ruhe, der Anbetung und des Dienens, so wie es uns Jesus Christus, der Herr des Sabbats, gelehrt und vorgelebt hat. Der Sabbat ist ein Tag froher Gemeinschaft – mit Gott und untereinander. Er ist ein Sinnbild unserer Erlösung durch Christus, ein Zeichen unserer Heiligung, ein Ausdruck unserer Treue und ein Vorgeschmack ewigen Lebens im Reich Gottes. Der Sabbat ist Gottes bleibendes Zeichen seines ewigen Bundes mit seinem Volk. Wer diese heilige Zeit freudig beachtet, von Abend zu Abend, von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang, feiert Gottes schöpferisches und erlösendes Handeln.

1 Mo 2,13; 2 Mo 20,811; Lk 4,16; Jes 56,1-8; 58,13.14; Mt 12,1-12; 2 Mo 31,1217; Hes 20,12.20; 5 Mo 5,1215; Hbr 4,111; 3 Mo 23,32; Mk1,32. 

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