Da sitze ich nun im „MUTTERLAND“ in Hamburg und nicht im Gottesdienst. Was hätte uns an diesem Samstag Morgen bewegt in einen Gottesdienst zu gehen?

Gemeinde neu denken – Ein Gottesdienst für eine übersatte westliche Gesellschaft, die aber hungert nach Heilung ihrer Seele und nach spiritueller Erfahrung. Ein Gottesdienst, der etwas ist für „Nicht-Debattierer“ und für „Nicht-Worshipper“ und doch Sehnsüchtige.

Wir sitzen also im MUTTERLAND einem Hamburger Kaffee und gleichzeitig Delikatessengeschäft für Hamburger Spezialitäten und großem Feinkostsortiment. Modern, inhabergeführt, hauseigene Backstube. Die Website verspricht 5000 handgemachte Delikatessen von mehr als 200 heimischen Manufakturen.

Im Obergeschoss mit Arbeitsbereich und Launch in entspannter Atmosphäre. Selbst das Waschbecken im Toilettenbereich sind ein Erlebnis. Also etwas ganz besonderes, aufgebaut von dem jungen Gründer Jan Schawe. Samstag morgens, wir müssen anstehen. Nichts frei. Doch dann sind wir an der Reihe und es wird etwas frei. Wir bestellen irgendetwas, wo wir erst hinterher herausfinden werden, was es genau ist, obwohl es und erklärt wird. Oder weißt Du, was „Franzbrötchen“ sind?

Eigentlich müsste ich im Gottesdienst sein

Hey, ich bin Adventist und entsprechend aufgewachsen. Ich bin sogar Pastor und erwarte, dass meine „Schäfchen“ zum Gottesdienst gehen. Aber an diesem Samstag in Hamburg gehen wir eben nicht hin. Wir waren als Gäste in Hamburg. Ich wohne in Nürnberg. Verlängertes Wochenende. Hotel gebucht ohne Frühstück. Also, wo gibt es ein schönes Café? Und Gottesdienst? Sollen wir eine Adventgemeinde besuchen?

In der Adventgemeinde Grindelberg ist laut Website Einschulungsgottesdienst. Für die Kinder extrem wichtig und natürlich für die Eltern, aber nicht für Claudia und mich. Kenne auch keines der Kinder.

Altona war mir empfohlen worden. Pastor mit lebendigen Predigten, interaktiv. Aber die Website sieht gar nicht danach aus. Das riecht doch nach traditionellem adventistischen Gottesdienst, also altbacken, diskussionslastig, lange Predigt, wenig inspirierend.

Also genießen wir den Morgen des göttlichen Ruhetags im Café. Aber es ist kein gewöhnliches Café. Es hat ein Konzept und das inspiriert mich zu mehr …

Wie hätte an diesem Morgen ein Gottesdienst aussehen müssen, zu dem ich hingegangen wäre?

Gute Frage! Also wie hat uns das „Mutterhaus“ geködert? Nun gut wir brauchten ein Frühstück und es sollte etwas besonderes sein.

Aber wenn es spirituell etwas sein hätte sollen. Was suche ich eigentlich? Einen Ort zum Auftanken. Eine tiefe spirituelle Erfahrung. Inspirierende Gedanken, erfrischend Neues. Emotional würde ich gerne berührt werden und Gott einfach nahe sein.

Ich wollte aber auch nicht mit menschlicher Nähe überrannt werden. Anonym bleiben dürfen, aber nicht müssen. Ein wenig wie im Schneckenhaus und vorsichtig die Fühler raus strecken. Und die anderen wären achtsam und taktvoll. Ich dürfte ich sein.

Was ich gar nicht brauchen könnte, ist theologisches Diskutieren. Auch wollte ich nicht bekehrt werden. Und das Worship-Dauer-Halleluja … naja ein wenig schon, aber Stille und Kontemplation wären mir auch wichtig. Sicherlich aber keine abgespulte anachronistische Liturgie. Aber was dann?

Die „Mutterhaus“-Gemeinde – Das wäre mein Traum

Also dann los! Fangen wir an zu träumen!

Das Gebäude

Unten Erdgeschoss ein Café mit leckeren Spezialitäten, die es nur hier gibt. Vielleicht ein bißchen „wie bei Muttern“. Nettes Ambiente, locker, jung.

Das Obergeschoss mit einem großen Raum für Spiritualität. Stühle? Nein! Aber es sollte doch etwas zum Hinsetzen geben. Kinderraum, Seelsorgeraum und Longe mit Bar.

Der Ablauf

Ankommen und Frühstücken. Irgendwann zwischen 8 und 10 Uhr. Um 10:00 Uhr beginnt auf einer Videoleinwand ein Countdown. Wer will wird unaufdringlich eingeladen ins Obergeschoss zu kommen.

10:30 Uhr im Obergeschoss. Moderation, die mich ankommen lässt. Achtsamkeitsübung. Zur Ruhe kommen. Es könnte ein ruhiger Worship-Teil folgen. 20min Gottes Wort an mich in meiner Sprache und relevant für mein Leben. Ermutigende Musik. Spirituelle ruhige Momente. Angebot: Gebet für mich oder ich für jemand anderes. Segnungsbereich. Bibelabschnitte über die nachgesonnen wird. Austausch? Hier vielleicht eher nicht.

Darüber hinaus

Ein mal in der Woche Kleingruppen, in denen wir versuchen die Bibel und Gott besser zu verstehen. Darüber hinaus können Projekte von Einzelnen durchgeführt werden, für die sie selbst verantwortlich sind. Projekte, die das Ziel haben, Menschen auf allen Ebenen des Lebens zu helfen und „Heilung“ erleben zu lassen.

Kirche ohne Organisation

Klar muss man für so etwas einen Verein gründen oder eine Organisation im Rücken haben. Aber möglichst wenig Organisation. Möglichst Effektiv. Möglichst viel Eigenverantwortung. Keine Mitglieder, sondern Mitarbeiter.

Das Ziel

Es geht um das „Kerngeschäft“ des Glaubens: Gott begegnen, Heilung erleben, Kraft schöpfen. Anbetung, Gebet und Gottes Wort stehen im Mittelpunkt. Wir drehen uns nicht um uns selbst, sondern richten unseren Blick auf Gott aus. Wir erleben Gemeinschaft untereinander, weil uns Jesus eint und die Leidenschaft für ihn uns verbindet.

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